Büren braucht acht, nicht sieben Kita-Gruppen

Lotte. Am Ende waren sich alle einig: Büren braucht für das Kindergartenjahr 2016/17 acht Kita-Gruppen. Für die verschiedenen Möglichkeiten, diesen Bedarf zu decken, soll die Verwaltung unter Einbeziehung eines eventuellen Kindergartenneubaus am Bürener Berg bis zur Bau- und Planungsausschusssitzung am 8. September entsprechende Vorlagen erarbeiten. Zu diesem Thema werden Bau- und Sozialausschuss dann gemeinsam tagen. Diesen Beschluss fasste der Sozialausschuss – korrekte, aber viel zu lange Bezeichnung: Ausschuss für Schulen, Sport, Soziales und Kultur – in der Sitzung am Dienstabend einstimmig.

Vorausgegangen war eine fast anderthalbstündige Debatte, nachdem Ellen Lüttmann und Birgitta Hauenherm vom Kreisjugendamt die Kindergartenbedarfsplanung für den Ortsteil Büren vorgestellt hatten. Ausgangspunkt dafür sind neben den Geburten- die Anmeldezahlen für die vorhandenen Kita-Gruppen und die angestrebte Versorgungsquote. Die liegt laut Hauenherm aktuell, also im Kindergartenjahr 2015/16, bei 99 Prozent für die Drei- bis Sechsjährigen, 54,5 Prozent bei den Zwei- bis Dreijährigen und 8,5 Prozent bei den Unter-Zweijährigen.

Die Anmeldezahlen – wobei die jüngsten künftigen Kita-Kinder ja noch gar nicht geboren sind – zeigen aber einen „deutlichen Zuwachs in allen Altersgruppen“, so die Kreisjugendamtsvertreterin. Und: Habe es noch im Vorjahr und vor zwei Jahren kaum Nachfrage nach U-2-Betreuung gegeben, sehe das jetzt ganz anders aus. Nicht berücksichtigt, weil nur zu schätzen, seien überdies künftige Zuzüge durch neue Wohnbaugebiete wie Schabergs Esch und die auch in Lotte steigende Zahl von Flüchtlingskindern.

Fazit des Kreisjugendamtes: Will man die Versorgungsquote entsprechend der Nachfrage für die Drei-bis Sechsjährigen längerfristig auf 100 Prozent, für die Zwei- bis Dreijährigen auf 70 Prozent und für die ganz Kleinen auf 13 Prozent steigern, müssen in Büren statt der jetzigen sechs acht, mittelfristig sogar 8,5 Kindergartengruppen eingerichtet werden.

Die Alternativen – sieben Kindergartengruppen, die achte würde über die Kindertagespflege abgedeckt – oder Beibehaltung von nur sechs Gruppen entsprächen nicht der Elternnachfrage, so Hauenherm. Bei nur sechs Gruppen sinke die Versorgungsquote so stark, dass die Betreuung von Zwei- bis Dreijährigen deutlich reduziert und die von unter Zweijährigen gar nicht mehr möglich wäre.

Irritiert und zum Teil verärgert reagierten die Ausschussmitglieder aus mehreren Gründen: Zum einen hatte die Ausschussvorsitzende Susanne Siemering (SPD) zu diesem Beratungspunkt mitgeteilt, dass nur eine Stunde vor Sitzungsbeginn bei der Gemeinde eine E-Mail von Bernhard Jäschke, Geschäftsführer der Kinderland GmbH Ibbenbüren und Vorstandsmitglied des Muttervereins „Lernen fördern“ im Kreis Steinfurt, eingegangen war mit dem Hinweis, dass auch am Kinderland-Kindergarten in Büren eine Gruppe angebaut werden könnte. Das Grundstück, so heißt es in dem von Bürgermeister Rainer Lammers auf allgemeinen Wunsch vorgelesenen Schreiben, das sogar auf Pläne für vier Gruppen aus dem Jahr 2002 verweist, sei auf jeden Fall groß genug für eine dritte Gruppe. An der habe die Kinderland GmbH als Träger ein „vitales Interesse“, weil der wirtschaftliche Betrieb eines Zwei-Gruppen-Kindergartens zunehmend schwieriger werde.

Zum anderen war die Notwendigkeit von acht Kita-Gruppen in einer interfraktionellen Sitzung mit den Kreisjugendamtsvertreterinnen in der vergangenen Woche offenbar nicht deutlich genug geworden, da die danach verfasste Beschlussvorlage der Verwaltung von sieben Gruppen für Büren ausging. Und: Das Kreisjugendamt war, wie Hauenherm bestätigte, davon ausgegangen, dass es nur am kommunalen Kindergarten Erweiterungsmöglichkeiten gebe.

Für die Ausschussmitglieder auch neu war Hauenherms Aussage, dass es keine Förderung für den Neubau eines Kindergartens mit nur zwei Gruppen mehr gebe und dass die Anträge auf Investitionsmittel für die Erweiterung des ohnehin zu kleinen Regenbogenkindergartens bis zum 30. September gestellt beziehungsweise bis zum 20. September beim Kreisjugendamt eingegangen sein müssten: „Danach gibt es keine Förderung mehr.“

Für Friedhelm Lange (CDU) und Stefan Franke (Grüne) Anlass, von einem „Desaster“ und einem „Fiasko“ bei der Vorbereitung des Themas zu sprechen. Sie warfen der Gemeindeverwaltung und dem Kreisjugendamt mangelnde Abstimmung vor, was der Bürgermeister zurückwies: „Wir stehen in ständigem Dialog, da kommen die Zahlen auch her“, so Lammers.

Hauenherm erklärte, dass ihrer Behörde die Infos zur Bürener Kinderland-Kita nicht vorgelegen hätten. Auch sei nicht vorauszusehen gewesen, dass es im gesamten Kreis und insbesondere in Lotte überdurchschnittlich viele Zuzüge gebe: „Wir werden flexibler planen müssen“, so ihr Fazit.

Quelle: http://www.noz.de/lokales/lotte/artikel/610071/kindergartenbedarfsplanung-im-ausschuss-vorgestellt#gallery&0&0&610071
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